Dagmara Zychniewicz als Beachhandballerin im polnischen Nationaltrikot am brasilianischen Strand. Da gab es zuletzt viel zu jubeln, am Sonnabend hoffentlich auch wieder in Görlitz
Dagmara Zychniewicz hat mit Polens Beachhandball-Nationalmannschaft einen großen Erfolg gefeiert. Am Sonnabend zeigt sie wieder im Trikot der Görls, was sie im Hallenhandball kann.
Die Umstellung ist riesig. Vor ein paar Tagen noch jubelte Dagmara Zychniewicz am Strand der brasilianischen 800.000 Einwohner-Küstenstadt João Pessoa. Dort feierte sie mit der polnischen Nationalmannschaft im Beach-Handball einen sensationellen dritten Platz beim Finale der IHF-Beachhandball Global Tour. Jetzt ist sie wieder zu Hause in Görlitz zurück und wird am Sonnabend versuchen, die starke Serie der Görlitzer Regionalliga-Handballerinnen gegen die Erstliga-Reserve von Union Halle-Neustadt fortzusetzen.
Als Dagmara Zychniewicz vor gut neun Jahren vom damaligen Trainer Jörg Adam nach Görlitz gelockt wurde (vom Drittligisten Landsberg), war schon klar, dass die große Spielerin, die besonders in der Abwehr stark ist und offensiv am Kreis Räume schaffen und Tore werfen kann, ihre Pausen vom Hallenhandball brauchen würde.
Der Grund: Dagmara Zychniewicz ist auch Beach-Handballerinnen – seit sie 16 Jahre alt ist. Anfangs eher zum Spaß und in der noch nicht so populären Sportart fast als Exotin: „Es war damals eine schöne Abwechslung und hatte den Nebeneffekt, dass man viel fitter aus der Sommerpause zurückkam“, erzählt die 29-Jährige. Im Sommer wurden damals Turniere gespielt, irgendwo am Wasser.
Bereits mit 18 Jahren spielte sie für Polen in der Beachhandball-Nationalmannschaft. Nach und nach wurde alles professioneller. „Alles ist schneller und durch den Sand auch anstrengender geworden“, sagt sie. Sie spielt über den Sommer in einer polnischen Beachhandball-Mannschaft aus Warschau, dort am Kreis (am besten mit Pirouetten beim Torwurf) und natürlich in der Abwehr. 2024 wurde sie polnische Vizemeisterin. In der polnischen Nationalmannschaft ist sie Abwehrchefin und in bestimmten Situationen auch mal Torhüterin.
„Das ist alles nicht ganz so einfach, weil neben den Turnieren auch viele Trainingslager dazugehören. Ich bin froh, dass mein Chef das alles so mitmacht und mir ermöglicht“, sagt Dagmara Zychniewicz, die bei der Firma ATS Health & Fitness arbeitet, die sich als Gesundheitsdienstleister mit betrieblichem Gesundheitsmanagement beschäftigt, zum Beispiel Gesundheitstage organisiert und Gesundheitskurse anbietet.
Gerade jetzt mit dem Global-Tour-Finale in Brasilien war das wieder so eine Sache. Qualifiziert dafür sind zunächst nur Sieger der Global-Tour-Turniere. Polen war in Spanien zweiter hinter dem Gastgeber geworden, und weil Spanien noch ein weiteres Turnier gewann, durfte Polen nachrücken. Das entschied sich aber erst Anfang Oktober. „Dass ich dann fahren durfte, ist nicht selbstverständlich, weil bei uns im Herbst immer besonders viel los ist“, ist Dagmara Zychniewicz immer noch dankbar.
In Brasilien mit den Weltspitzen-Teams aus Argentinien und Brasilien lief es dann viel besser als erwartet. In der Vorrunde gelang dem Außenseiter ein Überraschungssieg über Argentinien. Es reichte zwar trotzdem nur für das „Bronzemedaillen-Match“ gegen Spanien, aber gegen den haushohen Favoriten, gegen den die Polinnen in der Vorrunde klar unterlegen waren, gelang ein Überraschungssieg in zwei Sätzen – mit Dagmara Zychniewicz als Abwehrchefin. Der Jubel war riesig, und ein wenig träumt sie jetzt von Olympia 2032 im australischen Brisbane, falls Beachhandball tatsächlich olympisch wird.
Zurück in Görlitz sind die Träume kleiner. Dass Dagmara Zychniewicz überhaupt wieder Hallenhandball spielt, war nach einer Ellenbogenverletzung nicht klar. Die gesamte vergangene Saison war sie nicht dabei, aber vor dieser Saison kam Marzena Hochman auf sie zu: „Dagmara, wir brauchen Dich in unserer jungen Mannschaft.“ Nach einem Probetraining stieg sie wieder richtig ein und ist für Trainer Dirk Puschmann im Abwehrzentrum und am Kreis sehr wichtig. Am vergangenen Wochenende in Meißen trug sie mit zwei Treffern in der entscheidenden Spielphase und in der Abwehr unmittelbar nach ihrer Brasilien-Rückkehr schon wieder zum Sieg bei.
Am Sonnabend ab 17 Uhr in der Jahnsporthalle soll gegen Halle-Neustadt der nächste Sieg her. Auf die Frage, ob die Görls das Zeug für die dritte Liga hätten, antwortet sie: „Die Mannschaft hat viel Potenzial. Aber wir brauchen mehr Konstanz, was bei so jungen Spielerinnen normal ist.“
Rein sportlich, so sagt sie, hätte sie schon Lust auf die dritte Liga, in der sie ja schon einmal gespielt hat. Aber: „In meinem Jahr Verletzungspause habe ich auch gemerkt, wie schön freie Wochenenden sind. Und in der 3. Liga werden die Auswärtsfahrten ja noch weiter“, sagt sie. Aber Handball spielen, vor allem auch im Sand, will Dagmara Zychniewicz solange sie noch fit genug dafür ist.
SZ-Bericht: Frank Thümmler 21.11.2025
Foto: Bruno Ruas/ RuasMidia /CBHb Prai




