Samantha Bambynek hat den Weg aus Halle nach Görlitz gefunden. Am vergangenen Sonnabend zeigte sie im Spitzenspiel gegen Niederndodeleben, welch eine Verstärkung sie für den Görlitzer HC ist.
Torhüterin Samantha Bambynek hatte am vergangenen Sonnabend einen großen Anteil am letztlich deutlichen 32:25-Sieg im Regionalliga-Spitzenspiel der Frauen des Görlitzer HC über den TSV Niederndodeleben. „Samantha hat phänomenal gehalten. Sie hat gemeinsam mit einer gut funktionierenden Abwehr dafür gesorgt, dass es bis Mitte der zweiten Halbzeit ausgeglichen blieb und wir in den letzten Minuten davonziehen konnten“, lobt Görls-Trainer Dirk Puschmann.
Die 22-jährige Görls-Torhüterin, die derzeit wegen einer Verletzung von Marie-Luisa Ressel die Verantwortung im Tor nahezu allein tragen muss, brachte die Gästespielerinnen, die auf Aufholjagd zur Tabellenspitze angesetzt und unter anderem den Spitzenreiter HC Burgenland auswärts klar besiegt hatten, zeitweise zur Verzweiflung. Allein die Siebenmeterquote der Gäste – nur zwei von sieben verwandelt – spricht Bände. Und gewonnene oder gehaltene Bälle in der Abwehr, selbst die schnelle Reaktion nach einem Gegentreffer, sind auch Grundlage für das Tempospiel nach vorn. „Unsere zweite Welle hat dieses Mal super funktioniert. Dies war mit Sicherheit unser bestes Spiel der Saison, laut Zuschauern sogar das beste seit Jahren“, freut sich Puschmann.
Einst hatte Samantha Bambynek den Görlitzer Trainer als Torhüterin gegnerischer Mannschaften zur Verzweiflung gebracht – vor allem mit dem Wildcats-Juniorteam aus Halle-Neustadt, das zum Beispiel vor gut zwei Jahren beide Punkte aus Görlitz entführte, dank der überragenden Torfrau.
Später Karrierebeginn des großen Torhüterinnentalents
Bambynek hatte erst relativ spät, mit zwölf Jahren, beim HSV Magdeburg mit dem Handball begonnen, zeigte dann aber früh Torhüter-Talent. Mit Beginn ihres Studiums der Sportwissenschaften und Geschichte wechselte sie zum Nachwuchs der Erstligisten. Als sie zur Rückserie der vergangenen Saison plötzlich im Dessauer Kader auftauchte, war das für Dirk Puschmann Anlass genug, mal anzuklopfen. Die Görls hatten nach einem Karriereende und einer Verletzung ein echtes Torhüterinnenproblem. Die junge Marie-Luisa Ressel musste die komplette Verantwortung tragen.
„Er hat mich gefragt, ob ich an meinen Studienort Halle gebunden bin. Bin ich aber nicht, weil ich für meinen Bachelorabschluss nur noch zwei Praktika nachweisen muss“, erklärt Samantha Bambynek. Also, warum nicht?
ie junge Studentin kam zum Probetraining nach Görlitz, wurde von der Mannschaft freudig aufgenommen und von Dirk Puschmann durch die Stadt geführt, die bei Bambynek vor allem mit der schönen Altstadt punkten konnte. Ein erster Praktikumsplatz (beim Kreissportbund in Görlitz) war auch schnell organisiert, beim Umzug halfen sogar Spielerinnen und einige Eltern.
Und jetzt will Samantha Bambynek so schnell nicht wieder weg. „Ich hab’ jetzt den einen Umzug hinter mir. Das reicht jetzt für ein paar Jahre“, erklärt sie lachend. Dirk Puschmann, die Mitspielerinnen und Handball-Anhänger werden das gern hören. Die Torhüterin hofft, hier nach dem Abschluss ihres Studiums vielleicht auch einen beruflichen Einstieg zu finden.
Torhüterin Bambynek optimistisch für Spitzenduell am Sonntag
Sportlich fühlt sich die 22-Jährige bei den Görls wohl, auch im Torwart-Duo mit Marie-Luisa Ressel. Erste Freundschaften innerhalb der Mannschaft sind längst geknüpft. Und die Chancen in der Mitteldeutschen Regionalliga, der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland, sieht sie für ihr Görlitzer Team nicht schlecht. Nach dem Sieg am Sonnabend über den da noch punktgleichen Tabellendritten Niederndodeleben lauern die Görls auf Platz drei, mit zwei Punkten hinter Markranstädt und dreien hinter dem HC Burgenland. „In dieser Liga ist in diesem Ergebnis alles möglich. Es gab auch schon überraschende Punktverluste der Spitzenteams, zu denen leider auch unsere Niederlage in Leipzig-Mockau gehört“, sagt Samantha Bambynek. Auch am Sonntag beim Spitzenreiter HC Burgenland.
Die Görls hatten das Hinspiel zu Hause mit einem Tor verloren, allerdings nach einer katastrophalen ersten Halbzeit, in der sie zwischenzeitlich schon mit elf Toren zurücklagen. Die Görls kamen eine Minute vor Schluss noch auf ein Tor heran, aber es reichte nicht mehr. „Wenn wir nicht wieder so lange brauchen, um ins Spiel zu kommen, und wir an unser Spiel gegen Niederndodeleben anknüpfen können, ist eine Wiedergutmachung für das Hinspiel drin“, sagt die Torhüterin.
Das sieht auch Trainer Dirk Puschmann, der aber weiß, dass am Sonntag alles passen muss, auch von der Bank: „Jede Spielerin, die von der Bank kommt, hat ihre Zeit auch super genutzt.“ Nur die Torfrau wird in diesem Spiel wegen der Verletzung der zweiten Stammtorhüterin kein Backup auf der Bank haben. Samantha Bambynek wird das allein meistern.
Bericht: SZ Frank Thümmler 30.01.2026
Foto: H.-E. Friedrich




